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Seit 2013 beschäftige ich mich mit Bitcoin, Blockchain Technologie, Mining, Trading, Smart Contracts, unterschiedlichen Konsensmechanismen und angewandten Kryptoverfahren. In den letzten Monaten hat sich mein Fokus aber immer weiteren von technischem Interesse und persönlichem Investmentmöglichkeiten hin verschoben zu ideologischen Betrachtungsweisen der sozioökonomischen Auswirkungen dieser neu enstehenden Technologie.

Verschiedene Ansichten, Meinungen und Erfahrungsaustausch lassen mich glauben, Bitcoin als Katalysator, Blockchain als Werkzeug und Open Ledger als Vertrauensgarant erkannt zu haben – doch der heimliche Held der Erfolgsgeschichte aller Kryptowährungen ist die Dezentralisierung.

Die größten Anforderungen, die an den Einsatz einer digitalen Währung gestellt wurden, waren und sind Anonymität, globale Verfügbarkeit, dauerhafter Wertspeicher und der zensur- und manipulationssichere Transfer von Werten zwischen Benutzern über digitale Netzwerke. Die Erfindung eines sicheren Konsensmechanismus (PoW) zwischen den Benutzer und die nachprüfbare Speicherung aller Transaktionen in einem “Open Ledger” durch Einsatz Blockchain-Technologie stellen seit zehn Jahren für die Kryptowährung Bitcoin die Basis zur Erfüllung dieser Anforderung sicher. Darauf aufbauend können 2nd-Layer Technologien weitere Services wie zum Beispiel Authentizität oder notarielle Angebote in Form von Smart Contracts anbieten.

Bitcoin gibt die Hoheit über die Verwaltung der eigenen Finanzen weg von einem Konglomerat aus Fiatgeld ausgebenden Regierungen und privaten und staatlichen Banken. Die Verantwortung wird an den einzelnen Benutzer zurückgegeben, der einen Wert durch seine Arbeitskraft geschaffen hat. Daher sollte er auch am meisten an diesem Wertzuwachs partizipieren. Mit dieser Intention steht das Währungssystem Bitcoin im krassen Widerspruch zu den Absichten, die man den Globalisierung vorantreibenden Enterprises und Regierungen unterstellen muss.

Daraus folgt: Um sich als Einzelner oder nahezu einflussoser Gruppierung den negativen Auswirkungen einer fortschreitenden Globalisierung entgegenzustellen, muss man sich nicht als vermummter und Steine werfender Demonstrant hervortun. Das System lässt sich nachhaltiger von innen heraus ändern, indem man die Positionen der teilnehmenden Parteien einnimmt und versucht ihre Wertvorstellungen, Ansichten und Motivationen zu erkennen und das Zusammenwirken abzuschätzen und so Rückschüsse auf die Zukunft zu extrapolieren. So kann man an den entscheidenden Stellschrauben drehen und den unerwünschten Auswirkungen entgegenwirken. Für die Globalisierung ist eine dieser Stellschrauben mit Sicherheit das globale Finanzwesen. Die Idee, das etablierte Finanzsystem nicht nur anzuprangern, sondern komplett zu entmachten, durch ein besseres zu ersetzen oder wenigstens eine echte Alternative zu schaffen, ist sehr ambitioniert – aber bereits im vollen Gange. Bitcoin ist ein solches alternatives Finanzsystem.

Die durch den Benutzer zurück erlangte Macht und der steigende Wert von Bitcoin weckten Begehrlichkeiten, die in Aktivitäten mündeten, die von den meisten Regierungen als illegal eingestuft werden: Geldwäsche, Kapitalflucht, Steuerumgehung und -hinterziehung, quasi-anonyme Geldmittelbeschaffung für unkontrollierten Waffen- und Drogenhandel, Erpressungsgelder und nicht zuletzt zur Planung und Durchführung terroristischer Aktivitäten. An dieser Stelle soll aber nicht die Illegalität diskutiert oder bewertet werden – was für den einen Rebellion und Terrorismus sein mag, kann für den anderen ein Freiheitskampf gegen Unterdrückung sein.

Regulierung ist Kontrolle

Doch zehn Jahre nach dem Start der ersten und bis heute erfolgreichsten offen einsehbaren Blockchain durch die Kryptowährung Bitcoin, machen Regierungen weltweit Druck auf die Handelsplätze, um die Märkte zu kontrollieren, zu lizenzieren und zu regulieren, um gegebenenfalls eingreifen zu können. In erster Linie wird der Schutz des Anlegers vor Betrug und Marktmanipulation in den Vordergrund gestellt, aber natürlich geht es auch darum, die Anonymität der Transaktionen aufzubrechen, Handlungen und Transaktionen in der Blockchain transparent zu machen und Kontroll- und Regulierungswerkzeuge zu installieren.

Diese Werkzeuge setzen an den Umwandlungsstellen von Fiatwährungen in Digitalwährungen an: Den Handelplattformen – hier findet der Transformationsprozess und die Digitalisierung der Werte statt. Fiatgeld wird von Bankkonten oder durch Zahlungsdienstleister wie VISA oder Paypal oder sogar in Form von Bargeld entgegengenommen und in das erste unabhängige digitales Zahlungsmittel umgewandelt.

Die Hoffnung der regulierenden Entitäten (vorweg die Fiatgeld ausgebenden Regierungen) scheint zu sein, dass sich eines Tages jede Transaktion auf verschiedenen Blockchains letztendlich zu einer ersten “Umwandlungstransaktion” zurückverfolgen lässt. Anonymisierende kryptographische Methoden werden dabei ebenso ignoriert wie Mixing Services oder Atomic Swaps von einer Blockchain zur anderen – sei es im Lightning Network oder über Smart Contracts in Altcoins, die antreten, um langfristig Werte zu verbriefen, wie zum Beispiel Metronome (MET).

Big Brother is watching you – und natürlich Dein Bankkonto

Die eingesetzten Regulierungsmechanismen fokussieren sich hauptsächlich auf Durchsetzung einer KYC-Policy (Know Your Customer) regulärer Unternehmen an. Banken, Handelsplattformen und neu emmitierte Coins, deren Herausgeber als Stiftung, Unternehmen oder Verein organisiert sind,werden gezwungen, die Identität ihrer Kunden zu ermitteln, zu speichern und nachweisbar aktuell zu halten. Wer sich der Regulierung nicht unterwirft, dem droht Entfernung aus dem Marktgeschehen durch Entzug von Lizenzen und Handelserlaubnissen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es nie um den Schutz von Anlegern ging, sondern darum die Hoheit über die Ausgabe von Fiat-Währungen nicht zu verlieren. Nur Regierungen, die die Geldmengen kontrollieren, kontrollieren die Inflation und somit die Möglichkeit, die Staatsverschuldung und so den Wertverlust ganzer Staatshaushalte auf die einzelnen Bürger (und auch Sparer) umzulegen.

Diese wortwörtliche „Lizenz zum Geld drucken“ ist durch eine funktionierende anonymisierende digitale Währung in Gefahr – was selbstredend von allen Regierungen, Staats- und Landesbanken und Ökonomen abgestritten oder totgeschwiegen wird. Die Fantasie, sich vorzustellen, dass eine funktionierende Digitalwährung die globale Ökonomie reformieren und in eine neue Zukunft führen könnte, scheint diesen Interessensgruppen völlig abzugehen. Sie sehen nur ihren möglichen Kontrollverlust und ihre seit Jahrhunderten etablierte Vormachtsstellung in Gefahr.

Volle Dezentralisierung = Globaler Unabhängigkeitstag

Die Idee der Dezentralisierung von Geldtransaktionen, der Pseudo-Anonymisierung von Teilnehmern durch kryptographische Verfahren und der Ersatz von Vertrauen in bedrucktes Papier und dessen ausgebende Entitäten durch gegenseitige Überprüfbarkeit aller Transaktionen, haben Bitcoin zu einem weltweit weitestgehend inflationssicheren Wertspeicher wachsen lassen, der durch Digitalisierung seine Vorteile gegenüber Fiatgeld wie blitzschnelle Übertragbarkeit, globale Verfügbarkeit und Blockier- und Zensursicherheit voll auszuspielen weiß.

Es drängt sich die Schlussfolgerung geradezu auf, dass Dezentralisierung, Unabhängigkeit und Anonymität die besonderen Eigenschaften sind, die es möglich machen werden, dass digitale Währungen auf freien, transparenten. weitgehend manipuationssicheren und nicht zensierbaren Handelplätzen anonymisiert gehandelt werden können. In den letzten Jahren ist das Vertrauen in Anwendungen, die auf kryptographischen Verfahren und der Speicherung aler Transaktionen in einer Blockchain beruhen, stark angestiegen. Auf der anderen Seite hat das Vertrauen in die Handelsplätze bei der Umsetzung, Anwendung und Absicherung durch spektakuläre Hacks extrem gelitten. Die Verunsicherung des Investors, spielte den Regulatoren direkt in die Hände.

Aus den Widerspruch des Wunsches nach einem unabhängigen Geldsystem und wenn schon nicht garantierter dann wenigstens größtmöglicher Sicherheit war abzulesen, dass sich eine neue Generation von Handelsplattformen und dezentralen Anwendungen entwickeln würde. Diese wollen den Handel selbst digitalisieren, ale Transaktionen in einer Blockchain verarbeiten und den Handel zu einem vertrauenswürdigen dezentral gesteuerten und von Regierungen, Banken und Unternehmen unabhängigen globalen Service machen. Die Rede ist von dezentralen Handelsplattformen.

Dezentrale Handelplätze wie Cryptobridge ermöglichen weitgehend manipulationssicheren globalen Handel von Kryptowährungen, bieten den Wechsel digitaler Währungen in Form von Swaps und akzeptable Anonymität. Alle eingesetzten Verfahren und die Software sind wie die von Bitcoin open-source und können von ausreichend erfahrenen Programmierern geprüft und weiterentwickelt werden. Durch Dezentralisierung der Handelplätze digitaler Währungen vereint sich das Vertrauen in kryptographische Verfahren und die Überprüfbarkeit der ausgeführten Transaktionen mit der Abkopplung von durch den Staat regulierter Handelsplätze zum ersten unabhängigen durch die Benutzer betriebenen transparenten und freien Markt!

Ist die Zukunft dezentral?

Das gilt natürlich nicht nur für die Finanzwelt. Denkt man diesen Transformations- und Abnabelungsprozess der Handelsplätze auf anderen Ebenen konsequent weiter, bieten sich durch die Kombination von Dezentralisierung, Anwendung kryptographischer Verfahren und Einsatz digitaler Währungen viele neue Chancen in einer sich immer schneller globalisiert organisierenden Welt.

Dezentralisierte Märkte, digitale Arbeitsplätze, zensurresistente Kommunikation, weltweit organisierte Communities, ein neutrales Internet der Dinge (IoT), dezentralisierte unabhängige und sich selbst organisierende Unternehmensformen ohne festen Sitz könnten ein Teil der Zukunft sein, auf die wir zusteuern. Eine Neuorganisation und Etablierung eines alternativen Finanzwesens wären dann nur der Beginn einer dezentralisierten Gesellschaftsform gewesen. Globalisierung birgt viele Gefahren, aber auch ungeheuere Chancen. Dezentralisierung ist eine der grundlegenden Säulen für die Neuorganisation global auftretender Entitäten, die sich bis auf den einzelnen Benutzer herunterbrechen lassen.

Diejenigen, die an den alten verknöcherten Strukturen des “Establishments” verzweifelt festzuhalten versuchen, werden sich wahrscheinlich noch vergleichbar lange halten können, aber langfristig (betrachtet man eine menschliche Generation) sind sie die Dinosaurier der Globalisierung, weil sie unfähig sind, die sich ändernden globalen Marktbedingungen und Umwälzungen zu erkennen, sie zu akzeptieren, gescheige denn sich ihnen anzupassen.

Gewinner werden die kleinen dezentral organisierten Säugetiere sein – die auf Strukturen fußen, die eine direkte Verbindung zum einzelnen Benutzer sicherstellen und Vertrauen durch Prüfbarkeit authentifizierbar machen.

Fazit: My two Cents, ähm, ich meinte: my two Satoshis

Keine Revolution – weder die politischen noch ideologisch – war wirklich erfolgreich. Meist wurden nur die Entscheider ausgetauscht. Doch Einstellungen und Wertvorstellungen und damit die nachfolgenden Machtstrukturen blieben weitestgehend erhalten. Ein echter Paradigmenwechsel ist nur möglich, wenn die Struktur selbst grundlegend geändert wird. Bitcoin zeigt ein Beispiel für so eine Revolution angewandt auf die Finanzwelt. Die Hoheit über den in Fiatgeld verbrieften Wohlstand, der durch Transformation von Arbeitskraft entstanden ist, wird digitaisiert verfügbar gemacht und annähernd abzugsfrei wieder an den ursprünglichen Ersteller zurückgegebenen.

2009 hat Satoshi Nakamoto eine Revolution begonnen, indem er ein alternatives dezentralisiertes und von bestehenden Machtstrukturen abgekoppeltes Geldsystem geschaffen hat. Das war vielleicht nur ein erster Schritt auf dem Weg einer globalen Umstrukturierung. Weitere Märkte und Systeme werden folgen. Handel, Unternehmen, Interessensgruppen und Gemeinschaften und schließlich Regierungen und andere basisdemokratische Prozesse werden sich dezentralisieren und können so Emanzipation von bestehenden Machtstrukturen erreichen.

Die Auswirkungen lassen sich heute nicht mal im Groben abschätzen. Mit Sicherheit kommen mit den optimistischen Ideen ebenso viele Rückschläge in der Entwicklung einer dezentralisierten Gesellschaft – aber Träumen wird ja wohl erlaubt sein.