Blog2018-03-20T08:22:32+00:00

Chinas Zukunft: Was uns der Lockdown 2022 von Shanghai verraten kann

Nachdem die 26-Millionen-Stadt Shanghai angekündigt hatte, zu einer differenzierteren COVID-19-Politik überzugehen, wurde sie Ende März 2022 durch Druck der Zentralregierung in Beijing gezwungen, die Stadt abzusperren. Die offizielle Begründung für diesen drastischen Politikwechsel lautet, dass bei den stadtweiten Tests zu hohe Infektionsraten festgestellt worden seien. Dennoch fragt man sich, warum sich die Behörden nicht für eine weniger kostspielige und aufwändige Alternative zu einer vollständigen Abriegelung einer wichtigsten Millionenstädte Chinas entschieden haben.

Schließlich hat Omicron, das inzwischen für fast alle neuen Fälle weltweit verantwortlich ist, nur geringe Auswirkungen auf geimpfte Menschen. Und obwohl die ältere Bevölkerung Chinas eine überraschend niedrige Impfrate aufweist (etwa 60 Prozent), liegt die Immunisierung dieser Bevölkerungsgruppe durchaus im Rahmen der Informations- und Mobilisierungsmöglichkeiten des Landes. Darüber hinaus sind vollständige Lockdowns mit hohen wirtschaftlichen Kosten verbunden. Wirtschaftswissenschaftler schätzen, dass die Schließung Shanghais das gesamte chinesische BIP in diesem Jahr um 4 Prozent verringern wird. Das sind noch optimistische Schätzungen.

Und die chinesischen Behörden haben für zusätzliche wirtschaftliche Unsicherheit gesorgt, indem sie plötzlich von einem viertägigen zu einem unbefristeten Lockdown übergegangen sind. Die Beamten in Schanghai hatten keine Zeit, die für eine längere Abriegelung erforderliche Infrastruktur einzurichten, und die Einwohner konnten sich nicht mit genügend Lebensmitteln eindecken, bevor sie in ihren Häusern eingeschlossen wurden. Die Tatsache, dass die Stadt “nur” 17 Todesopfer zu beklagen hat (Stand: 20. April 2022), hat die Wut und Frustration der Bevölkerung noch verstärkt.

Zwei Fakten sind für das Verständnis der Gründe für die Abriegelung entscheidend. Erstens strebt die chinesische Regierung zwar eine weltweite Führungsposition bei der Impfstoffproduktion an, doch gelten chinesische Impfstoffe weithin als weniger wirksam als jene, die im Westen hergestellt und verabreicht werden. Sollte eine Lockerung der Sperre zu höheren Sterblichkeitsraten bei geimpften Chinesen (im Vergleich zu geimpften Bevölkerungen in anderen Ländern) führen, würde das China zutiefst beschämen – so wird es von den verantwortlichen Autoritäten jedenfalls empfunden – und würde sich in der Weltöffentlichkeit blamieren.

Zweitens gibt es innerhalb der chinesischen Führung einen ständigen Wettstreit zwischen denjenigen, die an eine starke zentralisierte Autorität glauben, und denjenigen, die eine dezentralisierte Verwaltung bevorzugen. Nach der katastrophalen Einheitspolitik des “Big Leap Forward” in den 1950er Jahren übertrug die Reformregierung nach 1978 die Entscheidungsgewalt an die Regionalregierungen, die viel mehr Autonomie in der Wirtschaftspolitik erhielten und ermutigt wurden, miteinander zu konkurrieren. Der fiskalische Föderalismus war ein sehr wirksames Werkzeug zur Förderung des Wachstums, aber er gab den Regionalregierungen auch einen Vorgeschmack auf die Unabhängigkeit. Das öffentlichkeitswirksamste Beispiel für die Vorteile der Zentralisierung der Macht ist Chinas Reaktion auf COVID-19 während der ersten Phase der Pandemie. Durch rasche Abriegelungen, obligatorische Quarantänen und Massentests erreichte das Land einige der niedrigsten Infektions- und Sterberaten (an COVID-19) der Welt – eine bemerkenswerte Leistung für ein Land mit durchschnittlich mittlerem Einkommen und einer der höchsten Bevölkerungsdichten der Welt.

Shanghai weigerte sich jedoch, einen Lockdown zu verhängen. Die Stadt ist nicht nur die größte städtische Wirtschaft Chinas und das glitzernde Juwel der Reformen nach 1978, die Stadt hat eine längere Geschichte freiheitlichen Denkens. Als Schmelztiegel europäischer Kolonisten und Abenteurer, weißrussischer und jüdischer Flüchtlinge, chinesischer Triaden und anderer Gruppen nach dem Opiumkrieg war sie lange Zeit der Ort, an dem Fernost und West aufeinander trafen. Moderne politische Führer – von den Gründern der Kommunistischen Partei bis hin zu Kuomintang-Figuren wie Sun Yat-Sen und Chiang Kai-Shek – sowie einige der bedeutendsten chinesischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts (Lu Xun, Qian Zhongshu, Eileen Chang) waren eng mit der Stadt verbunden.

Heute gehören die Einwohner Shanghais zu den gebildetsten, am weitesten gereisten und wohlhabendsten Menschen in China. In den 1990er und frühen 2000er Jahren verzeichnete die Stadt oft Wachstumsraten des Pro-Kopf-Einkommens von bis zu 28 Prozent pro Jahr, was der Zentralregierung in Peking enorme Einnahmen bescherte – und die die Stadt daran gewöhnten, mehr Einfluss auf ihre (die der chinesischen Regierung) Angelegenheiten zu haben als die meisten anderen Städte. Wenn es um die Verwaltung von Wirtschaft und Verwaltung geht, fühlen sich die Einwohner Shanghais oft sogar Peking überlegen.

Ob zu Recht oder nicht, diese Überzeugung in Verbindung mit der Bedeutung der Wirtschaft Shanghais bedeutet, dass die Zentralregierung die Stadt mit Bedacht verwalten muss. Aus diesem Grund war es Shanghai früher erlaubt, von der nationalen Null-Covid-Politik abzuweichen. Es verfolgte einen flexibleren Ansatz und sperrte einzelne Wohnblöcke, Compounds oder kleinere Distrikte statt der gesamten Stadt ab.

Die Tatsache, dass Peking die Shanghaier Führung letztlich überstimmt hat, kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Zentralisten ihre Macht gegenüber den Befürwortern einer dezentralen Entscheidungsfindung geltend machen. Doch wer wird die Schuld für die weitreichenden wirtschaftlichen und sozialen Kosten tragen, die durch den Lockdown entstehen? Wird es Shanghai sein, das den Anstieg der Infektionsraten zuließ, oder diejenigen, die die Stadt in den umfassenden Lockdown gezwungen haben?

Die Antwort wird einen Hinweis auf die Zukunft von Chinas Bemühungen zur Dezentralisierung geben.

26. April 2022|Schlagwörter: , , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Chinas Zukunft: Was uns der Lockdown 2022 von Shanghai verraten kann

Tag 28+ im Lockdown

🇩🇪 Deutsche Version weiter unten.

🇬🇧 I’m just coming back from our what-do-I-know-how-many PCR test. I stopped counting. Some people in protective suits registered us at the apartment door, then we were shown to the medical staff in the hallway in front of the waiting elevator. Even more surreal than all the tests before.

In such moments, the intro sequence of “The Fantastic Film” has come to mind very often lately. This went on from 1970 to 1993 with long interruptions. If you were in that times allowed to stay up on Saturdays after the “Word for Sunday”, you could look forward to films such as “Phase IV”, “Logan‘s run” or “The Thing”.

Today I feel transported back to this film series when my family and I are tested for Covid-19 by people in shapeless space suits in the twilight of the hallway. 3D, 4D – Real movie! I always get a lump in my chest. My fear manifests itself in this lump. One of the fears we all carrie in us at the moment.

I hope it gets better soon. Life in Shanghai will never be the same for me again. There will be a before and a after. That’s a pity.

#covid #shanghai #lockdown #shanghailockdown #StayNegative

🇩🇪 Gerade komme ich zurück vom was-weiß-ich-wievielten PCR-Test. Ich habe aufgehört zu zählen. Einige Menschen in Schutzanzügen registrierten uns an der Wohnungstür, dann wurden wir dem medizinischen Personal auf dem Flur vor dem wartenden Fahrstuhl vorgeführt. Noch surrealer als all die Tests zuvor.

In solchen Momenten kommt in letzter Zeit sehr oft die Intro-Sequenz von „Der phantastische Film“ in den Sinn. Das lief so von 1970 bis 1993 mit langen Unterbrechungen. Wer früher samstags nach dem „Wort zum Sonntag“ noch aufbleiben durfte, konnte sich auf Filme wie „Phase IV“, „Flucht ins 23. Jahrhundert“ oder „Das Ding“ freuen.

Heute fühle ich mich wie in diese Filmreihe zurückversetzt, wenn meine Familie und ich von Menschen in unförmigen Space-Suits im Halbdunkel des Flurs auf Covid-19 getestet werden. 3D, 4D – Realfilm! Ich bekomme da immer einen Klumpen in der Brust. In diesem Klumpen manifestiert sich meine Angst. Eine von den Ängsten, die wir alle zur Zeit mit uns herumtragen.

Ich hoffe, es wird bald besser. Das Leben in Shanghai wird für mich nie wieder dasselbe sein. Es wird ein Vor und ein Danach geben. Das ist schade. ä

14. April 2022|Schlagwörter: , , , , , |Kommentare deaktiviert für Tag 28+ im Lockdown

Gwen‘s Gedicht, April 2022

Ein Gedicht übers Gedicht

Ich hatte eine Idee, über Hunde im Schnee. Jedem gefiel das Gedicht. So schrieb ich noch ein Gedicht, doch diesmal gefiel es jedem nicht. Dann schreib ich eine Geschichte, die jeden begeistern wird. Nach der halben Geschichte, war ich viel zu verwirrt. Dann schreib ich Quatsch, über Katzen im Matsch, doch dann hab ich’s doch noch geschafft.

8. April 2022|Kommentare deaktiviert für Gwen‘s Gedicht, April 2022

Tag 20+ im Lockdown

Diese Galerie als kleine Erinnerung an diese Zeit im April 2022 in Shanghai. Wie seltsam diese Zeit ist und wie die Menschen auf die Anordnungen und Maßnahmen der Regierung reagieren – teils alles schwer nachzuvollziehen, sowohl seitens der Regierung als auch die Reaktionen. Als kleine Entschädigung dafür hört man mehr Vögel ihre Frühlingslieder in mehr Variationen singen als mir je gewahr wurde in den letzten 10 Jahren – Luftverschmutzung ist ebenfalls so gut wie kein Thema mehr.

6. April 2022|Schlagwörter: , , , , , |Kommentare deaktiviert für Tag 20+ im Lockdown

Tag 8 in Quarantäne

Tag 8 in Quarantäne. Der PCR-Test von gestern wurde für knapp 3.000 Leute beginnnend abends um 8 Uhr durchgeführt. Um 9 Uhr waren wir wieder zu Hause — klatschnass und durchgefroren! Jetzt Pipi machen, in in Bett (gehen, nicht Pipi machen!) https://bit.ly/3uhKsM3

6. April 2022|Schlagwörter: |Kommentare deaktiviert für Tag 8 in Quarantäne

Papa hat gekocht

Papa hat gekocht: DIY Roggenmischbrot (Bitte selbständig Musik „Bakerman“ von Laid Back einfügen) https://bit.ly/3Ju0WHA

6. April 2022|Schlagwörter: |Kommentare deaktiviert für Papa hat gekocht

Papa hat gekocht

Papa hat gekocht: Schlumpfsuppe á la Garagmel— wie Linsensuppe, nur kommen noch ordentlich frisch gefangene Schlümpfe dazu. Ich hoffe, ich kann trotz Quarantäne welche bekommen! https://bit.ly/3uhtP36

6. April 2022|Schlagwörter: |Kommentare deaktiviert für Papa hat gekocht

Papa hat gekocht

Papa hat gekocht: Möhrengemüse (mit der Petersilie 🌿 einen Hauch von übertrieben) https://bit.ly/3qZf44g

6. April 2022|Schlagwörter: |Kommentare deaktiviert für Papa hat gekocht

Papa hat gekocht

Papa hat gekocht: Panierte Hähnchenschnitzel https://bit.ly/3DFJ6it

6. April 2022|Schlagwörter: |Kommentare deaktiviert für Papa hat gekocht

Papa hat gekocht

Papa hat gekocht: Ratatouille https://bit.ly/3NEH7Ql

6. April 2022|Schlagwörter: |Kommentare deaktiviert für Papa hat gekocht
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